Mit fünf Siegen aus fünf Spielen in der Vorrunde und dem Einzug ins Viertelfinale hat die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im griechischen Loutraki eine beeindruckende Leistung gezeigt. Erst Belgien konnte den Siegeszug der deutschen Damen stoppen und sicherte sich am Ende auch den Europameistertitel. Für eine weitere außergewöhnliche Geschichte sorgte die junge Türkin Yağmur Tosun im Präzisionsschießen.
Historische Vorrunde der deutschen Damen
Besser hätte die Europameisterschaft für die deutsche Nationalmannschaft kaum beginnen können. Julia Reimers, Gina Müller, Celine Grauer und Silvana Lichte starteten mit einem 13:5 gegen Gastgeber Griechenland in das Turnier.
Es folgten weitere Siege gegen Dänemark (13:7), Tschechien (13:4) und Schweden (13:8). Damit war der Einzug ins Achtelfinale bereits vor dem letzten Vorrundenspiel gesichert.
Dort wartete mit Frankreich allerdings noch einmal ein echter Prüfstein. Beide Mannschaften waren bis dahin ungeschlagen und spielten um den ersten Platz der Vorrunde. Doch auch die Französinnen konnten die deutsche Mannschaft nicht stoppen. Mit 13:10 setzte sich Deutschland durch und beendete die Vorrunde mit einer makellosen Bilanz von fünf Siegen aus fünf Spielen auf Platz 1.
Eine historische Leistung: Noch nie zuvor hatte eine deutsche Mannschaft bei einer Europameisterschaft eine Vorrunde mit fünf Siegen aus fünf Begegnungen abgeschlossen.
Gegen Norwegen knapp, gegen Belgien chancenlos
Im Achtelfinale traf Deutschland auf Norwegen. In einer engen Begegnung behielten die deutschen Damen mit 13:11 die Oberhand und zogen damit ins Viertelfinale ein.
Dort wartete Belgien mit Jessica Meskens. Die Belgierinnen erwischten einen starken Tag und ließen Deutschland beim deutlichen 13:2 keine Chance.
Damit endete die Europameisterschaft für die deutsche Mannschaft nach sechs Siegen und nur einer einzigen Niederlage auf dem fünften Platz.
Auch wenn der Traum von einer Medaille im Viertelfinale platzte, bleibt eine herausragende Mannschaftsleistung. Deutschland war über die gesamte Vorrunde ungeschlagen geblieben, hatte Frankreich bezwungen und sich verdient unter den besten acht Mannschaften Europas platziert.
Sechs Siege, eine Niederlage und Platz 5 bei der Europameisterschaft – eine Bilanz, auf die Julia Reimers, Gina Müller, Celine Grauer und Silvana Lichte stolz sein können.
Silvana Lichte auf Platz 14 im Präzisionsschießen
Bereits am Donnerstag war Silvana Lichte für Deutschland im Tir de précision angetreten.
Nach einem starken Beginn mit vier Treffern auf die freie Kugel erreichte sie in der Qualifikation insgesamt 23 Punkte und musste damit in die Repêchage.
Dort gelangen ihr weitere 19 Punkte. Mit insgesamt 42 Punkten belegte sie schließlich den 14. Platz und verpasste den Einzug ins Viertelfinale.
Interessant: Auch die amtierende Europameisterin Sara Díaz Reyes aus Spanien kam auf 42 Punkte und schied auf Platz 15 aus.
Belgien krönt sich zum Europameister
Nach dem Viertelfinalsieg gegen Deutschland setzte Belgien seinen Erfolgskurs fort. Im Halbfinale besiegten die Belgierinnen die Türkei mit 13:8 und trafen im Endspiel auf Frankreich.
Die Französinnen hatten sich zuvor mit einem deutlichen 13:1 gegen Spanien durchgesetzt.
Das Finale entwickelte sich zu einer spannenden Begegnung. Belgien erwischte den besseren Start und führte zwischenzeitlich bereits mit 6:0. Frankreich kämpfte sich jedoch zurück und verkürzte bis auf 11:12.
In der entscheidenden Aufnahme behielten die Belgierinnen die Nerven und machten mit 13:11 den Europameistertitel perfekt.
Frankreich gewann Silber, während sich die Türkei und Spanien die beiden Bronzemedaillen sicherten.
Yağmur Tosun sorgt für die nächste Sensation
Eine der bemerkenswertesten Geschichten dieser Europameisterschaft schrieb die junge Türkin Yağmur Tosun.
Erst wenige Tage zuvor hatte sie bei der Europameisterschaft der Juniorinnen bereits Gold im Teamwettbewerb gewonnen. Nun trat sie auch bei den Frauen an – und das mit großem Erfolg.
Im Tir de précision setzte sich Tosun im Viertelfinale mit 30:20 gegen Indira Ongaro aus Luxemburg durch. Im Halbfinale ließ sie der Belgierin Jessica Meskens beim 34:15 keine Chance.
Im Finale wartete mit Ranu Homniam aus Norwegen eine starke Gegnerin, die sich zuvor mit beeindruckenden 48 Punkten gegen Nelly Peyre aus Frankreich durchgesetzt hatte.
Auch im Endspiel behielt Tosun die Oberhand und sicherte sich mit 25:20 den Europameistertitel.
Damit gewann die junge Türkin innerhalb weniger Wochen ihren zweiten Europameistertitel – zunächst bei den Juniorinnen im Team und nun bei den Frauen im Präzisionsschießen.
Doch damit nicht genug: Auch im Teamwettbewerb der Frauen erreichte die Türkei das Halbfinale und gewann Bronze.
Zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze bei zwei Europameisterschaften innerhalb weniger Wochen – eine außergewöhnliche Bilanz für Yağmur Tosun und ein eindrucksvoller Beleg für die Stärke des türkischen Nachwuchses.
Medaillenspiegel – EM Frauen 2026
Bei der Europameisterschaft der Frauen in Loutraki wurden zwei Titel vergeben: im Triplette und im Tir de précision. In beiden Wettbewerben erhielten die unterlegenen Halbfinalistinnen jeweils Bronze.
| Nation | Gold | Silber | Bronze | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Belgien | 1 | 0 | 1 | 2 |
| Türkei | 1 | 0 | 1 | 2 |
| Frankreich | 0 | 1 | 1 | 2 |
| Norwegen | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Spanien | 0 | 0 | 1 | 1 |
| Gesamt | 2 | 2 | 4 | 8 |
Alle Medaillengewinnerinnen im Überblick
Triplette – Teamwettbewerb
- Gold: Belgien
- Silber: Frankreich
- Bronze: Türkei und Spanien
Tir de précision – Präzisionsschießen
- Gold: Yağmur Tosun (Türkei)
- Silber: Ranu Homniam (Norwegen)
- Bronze: Jessica Meskens (Belgien) und Nelly Peyre (Frankreich)
Damit teilen sich Belgien und die Türkei mit jeweils einer Goldmedaille die Spitze des Medaillenspiegels. Besonders bemerkenswert ist dabei der türkische Erfolg: Nach den starken Leistungen bei den Juniorinnen und Espoirs wenige Tage zuvor konnte die Türkei auch bei den Frauen erneut überzeugen.
