Die französische Pétanque-Welt steht unter Schock: Vier Spieler der Nationalmannschaft sind ins Visier der Justiz geraten – der Vorwurf lautet Spielmanipulation im Zusammenhang mit Sportwetten. Unter den Verdächtigen sind einige der bekanntesten Namen des Sports: Dylan Rocher (34), mehrfacher Welt- und Europameister und einer der besten Spieler der Welt, der 51-jährige Henri Lacroix mit 13 WM-Titeln, der siebenmalige Europameister Jean Feltain sowie der amtierende Europameister David „Ligan“ Doerr (26), erst vor wenigen Tagen französischer Meister geworden.
Am Dienstagmorgen wurden insgesamt neun Personen in den Départements Var und Gironde festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen, ihre Wohnungen durchsucht. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Toulon wegen des Verdachts auf bandenmäßigen Betrug sowie aktive und passive Korruption bei einer Sportveranstaltung mit Wettbezug.
Auslöser der Affäre war eine überraschende 4:13-Niederlage der favorisierten Equipe Rocher/Feltain/Doerr im Viertelfinale der Masters de Pétanque 2025 in Levallois-Perret gegen den Lokalclub Levallois Sporting Club. Auffällig hohe Wetteinsätze auf genau dieses Ergebnis alarmierten die nationale Wettaufsichtsbehörde ANJ. Insgesamt sollen Wettende rund 60.000 Euro Gewinn erzielt haben, ein Drittel der Summe wurde von einem Wettanbieter wegen Betrugsverdachts einbehalten. Die Nutznießer der ungewöhnlichen Wetten sollen den Ermittlungen zufolge Spielern aus dem Teilnehmerfeld nahestehen.
Dylan Rocher wies die Vorwürfe in einer persönlichen Stellungnahme entschieden zurück: Er habe an keinerlei manipulierten Wetten teilgenommen und weise jede Verwicklung in die Affäre von sich. Die Untersuchungshaft habe er als belastend empfunden, dennoch bleibe er gelassen und vertraue auf die Justiz. Er betonte seine langjährige sportliche Laufbahn und seine Werte von Fairness und Ehrlichkeit und lehne jede Form von Betrug ab. Trotz seiner Erklärungen gegenüber den Ermittlern hat die Staatsanwaltschaft Toulon ihn vor das Tribunal Correctionnel geladen – es kommt somit zu einem Strafverfahren.
Auch der französische Pétanque-Verband FFPJP äußerte sich zu den Vorwürfen. Der Verband stellte klar, dass die mutmaßlichen Vorfälle im Rahmen eines privaten Wettbewerbs stattfanden und nicht Teil des offiziellen FFPJP-Turnierkalenders waren. Man verurteile jede Form von Spielmanipulation aufs Schärfste und habe bereits Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. Gleichzeitig verwies die Föderation auf die geltende Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.
Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Die Untersuchungshaft der Festgenommenen wurde bis Donnerstagmorgen verlängert.
