Nach der zunächst losen Umfrage im WhatsApp-Kanal von Pétanque aktuell entwickelte sich in den vergangenen Tagen rasch ein großes Thema. Viel wurde spekuliert, und einige Boulespieler*innen sehen auch schon einen schwindenden „Spaß“ an der Sache. Wir möchten ein wenig Licht ins Dunkel bringen und unsere Position sowie die Hintergründe diesbezüglich etwas genauer erläutern.
Unsere Position
Zunächst einmal möchten wir klarstellen, dass wir keinesfalls den Alkohol auf allen Turnieren verbieten wollen. Unsere Initiative entstand aus dem Gedanken heraus, dass es absurd ist, die NADA einzusetzen und gleichzeitig das einfache und auf dem Platz erhältliche Alkohol-Doping komplett zuzulassen.
Natürlich wissen wir, dass ein Großteil der Spieler Alkohol auf Turnieren zu sich nimmt – einfach, um sich eine schöne Zeit am Wochenende zu machen, den Arbeits- bzw. Alltagsstress zu vergessen oder Zeit mit Freunden zu verbringen. Es gibt allerdings auch Spielerinnen und Spieler, die Alkohol (auch bewusst) zu sich nehmen, um besser spielen zu können, in manchen Situationen mental stärker zu sein und die nötige Lockerheit zu erreichen, die man als „verkrampfter“ Spieler oft nur im Trainingsmodus erhält.
Für uns gibt es zwei Arten von Veranstaltungen: die Veranstaltungen, die vom DPV und vielen Spielerinnen und Spielern als Sportveranstaltungen gesehen werden, und die Freizeitveranstaltungen. Bei den Sportveranstaltungen – dazu gehören u. a. Deutsche Meisterschaften, Bundesliga und Länderpokal – also genau jene, bei denen auch die NADA eingesetzt wird, finden wir es nur logisch, auch Alkoholkontrollen im Sinne der Dopingprävention einzuführen. Es geht uns um keine anderen Turniere. Uns geht es um Konsistenz und vor allem um Fairness bei den großen „Sportveranstaltungen“.
Freizeitspiel vs. Sport
Nun gibt es natürlich die Menschen, die Boule als Freizeitspiel sehen, und diejenigen, die Boule als Sport betrachten. Spätestens nach der Nicht-Nominierung von Pétanque bei der letzten Olympiade in Paris ist klar: Wenn nicht einmal die Franzosen es schaffen, ihren Volkssport zu Olympia zu bringen, dann werden wir das sicherlich auch nicht – ob mit oder ohne Alkohol.
Allerdings muss man sich auch vor Augen halten, dass man in unserer „Sportart“ durchaus mit zwei Promille noch Deutscher Meister werden kann – und ja, das kam schon häufiger vor. In den meisten sportlich aktiveren Sportarten ist dies allein schon aufgrund der körperlichen Einschränkungen nach Alkoholkonsum nicht möglich. Nun haben wir bei unserem „Spiel“ oder „Sport“ aber auch eine Vorbildfunktion gegenüber der Jugend, und ganz nebenbei ist Alkohol ein Rauschmittel – wenngleich wir uns niemals anmaßen würden, darüber entscheiden zu wollen, wer welche Verhaltensweisen ausübt oder unterlässt.
Nun stellt sich die Frage: Muss man sich für ein „Lager“ entscheiden? Wir finden: nein. Wir sind der Meinung, dass beides miteinander vereinbar ist. Die NADA gibt es nun seit geraumer Zeit auf DPV-Großveranstaltungen, und sie wird akzeptiert – auch wenn viele Spielerinnen und Spieler dafür möglicherweise ihre persönlichen Gewohnheiten etwas einschränken müssen. Warum sollte es beim Alkohol anders sein?
Wo geht es konkret hin?
Was kommen wird, weiß derzeit niemand. Aktuell gibt es lediglich eine Projektgruppe, in der wir ebenfalls unsere Meinung einbringen. Eventuell könnte ab 2027 ein Alkoholverbot bei den genannten Veranstaltungen eingeführt werden.
Konkret könnte es so aussehen, dass Spielerinnen und Spieler, die auf keinen Fall auf Alkohol beim Boulespiel verzichten möchten, künftig nicht mehr an DPV-Großveranstaltungen teilnehmen können. Eine Deutsche Meisterschaft ist für uns klar ein sportliches Ereignis, und wer es eher als Freizeitspiel sieht, könnte stattdessen auf parallel angebotene Turniere ausweichen.
Für die meisten der rund 15.500 Boulespielerinnen und Boulespieler mit Lizenz würde sich demnach kaum etwas ändern, und insbesondere Freizeitspielerinnen und Freizeitspieler müssten sich um ihre Turniere keine Sorgen machen. So zumindest unser aktueller Ansatz und unsere Stimme in der Diskussion.
Und die Veranstalter?
Neben einigen formellen Herausforderungen darf man natürlich die Veranstalter und Ausrichter nicht aus den Augen verlieren. Das Thema Alkoholverbot ist auch hier nicht unerheblich. Ein generelles Ausschankverbot wird es nicht geben, denn Spielerinnen und Spieler, die Alkohol konsumieren möchten (auch trotz eines Verbots), werden Wege finden. Außerdem spricht nichts dagegen, Alkohol für Zuschauer oder bereits ausgeschiedene Teams anzubieten.
Dennoch erwarten auch wir spürbare Einnahmeverluste, wenn Spielerinnen und Spieler während des Turniers keinen Alkohol mehr trinken dürfen. Hierfür wurden bereits erste Konzepte entwickelt, wie die Verluste der Ausrichter finanziell kompensiert werden könnten. Ohne entsprechende Unterstützung wird es künftig ohnehin immer schwieriger, Ausrichter zu finden – während Spielerinnen und Spieler jedes Wochenende von der Organisation profitieren, die oft mit einem sehr geringen „Stundenlohn“ über mehrere Tage hinweg geleistet wird.
Wie genau ein solches Konzept aussehen wird, ist noch offen. Wir versichern jedoch, dass wir die Veranstalter nicht außen vor lassen und das große Ganze im Blick behalten.
Wir hoffen, mit diesem Beitrag etwas mehr Klarheit in die Diskussion um ein mögliches Alkoholverbot gebracht zu haben und einige Befürchtungen entkräften zu können. Diskutiert gerne mit uns auf Facebook. Wir werden diese Thematik weiterhin begleiten und über unseren WhatsApp-Kanal regelmäßig Stimmungsbilder einholen.
Euer Pétanque aktuell Team
