Marcel Bomsdorf, Spieler des 1. Frankfurter PC, hatte sich sicher schon auf die Bundesligasaison mit seinem frisch aufgestiegenen Club aus Frankfurt gefreut, doch nun wird er die gesamte Saison verpassen. Schuld ist ein Asthmaspray, das von seinem Arzt verschrieben wurde, welches jedoch auf der Liste der verbotenen Medikamente der NADA steht.

Was war geschehen?

Marcel Bomsdorf nahm im Oktober 2025 mit seinem Frankfurter Club als Landesmeister in Hessen an der Aufstiegsrunde für die Bundesliga teil. Die Frankfurter spielten ein starkes Wochenende und stiegen als erstplatziertes von zehn teilnehmenden Teams auf. Im Anschluss an den Aufstieg wurden die Teams durch die NADA auf mögliches Doping getestet. Hierfür wurden aus jedem Team ein Mann und eine Frau ausgewählt. Marcel Bomsdorf meldete sich freiwillig für die Probe, da er „sowieso gerade auf dem Weg zur Toilette war“. Dies sollte ihm zum Verhängnis werden.

Bei der Dopingprobe gab Bomsdorf die Medikamente an, die er schon fast sein Leben lang zu sich nimmt. Ein Kortison-haltiges Medikament gegen Neurodermitis und ein Asthmaspray gegen seine Atemnot, das er seit dem 8. Lebensjahr regelmäßig zu sich nehmen muss.

Als Bomsdorf im November ein erstes Schreiben der NADA (Nationale Anti-Doping Agentur) erhielt, nach dem ein Verstoß vorlag, war er zunächst noch gelassen, da es in solchen Fällen gängig ist, einen sogenannten TUE-Antrag (Therapeutic Use Exemption) zu stellen, um klarzustellen, dass das eingenommene Medikament medizinisch relevant ist und hier vom Zweck des Dopings keine Rede sein kann und eine Ausnahme in diesem Fall angebracht ist. Dies ist ein gängiger Ablauf, der auch bei Radsportlern häufig auftritt.

Nun gab es jedoch ein Problem: Der Antrag, der durch seinen Hausarzt gestellt wurde, wurde bei der NADA abgelehnt, mit der Begründung, dass es heutzutage deutlich bessere Medikamente gibt, das eingenommene Medikament schädlich ist, nicht mehr verschrieben werden sollte und der Wirkstoff Reproterol, um den es bei diesem Fall geht, eben auf der Doping-Liste steht. Bomsdorf suchte daraufhin einen Lungenfacharzt auf, der ihm die Ansicht der NADA, in Bezug auf das Asthma-Spray, bestätigte und auf einen Fehler beim Hausarzt hinwies.

Anfang Februar, im Anschluss an den gesamten Prozess, stand dann eine 1-6-monatige Sperre im Raum. Nach Absprache der NADA mit der WADA (World Anti-Doping Agency) wurden hieraus jedoch 8 Monate. Ein Desaster für Bomsdorf, der damit die komplette lizensierte Saison 2026 verpassen wird. Er darf weder an Deutschen Meisterschaften teilnehmen noch sein Team in der Bundesliga unterstützen. Gegen den Bescheid der Nada verbleiben Bomsdorf nun noch einige Tage, um Widerspruch einzulegen und vor das deutsche Sportgericht zu ziehen. Die Frage ist nun: Gibt es Aussicht auf Erfolg? Hierzu wird sich Bomsdorf mit seinem Anwalt noch beraten.

Bleibt Frankfurt Aufsteiger?

Auf die Frage, ob die Spiele der Aufstiegsrunde, bei denen Bomsdorf zum Einsatz kam, als verloren gewertet werden müssten, gibt es bereits eine Antwort. In der Anti-Doping Ordnung steht in Artikel 10.1 eine „Kann-Formulierung“. Der DPV entschied sich hier gegen eine kollektive Bestrafung des gesamten Teams. Die Frankfurter bleiben also erstklassig und der Aufstieg in die Bundesliga somit bestehen. Die Spiele von Bomsdorf werden nicht im Nachhinein als verloren gewertet.

Sensibilisierung

Wer wissen möchte, ob ein Medikament oder ein bestimmter Wirkstoff erlaubt ist, findet auf der Seite der NADA Abhilfe. Die „Medikamentensuche“ zeigt sofort an in welcher Form welcher Wirkstoff erlaubt ist oder eben nicht erlaubt ist. Die NADA entwickelte außerdem die „NADA2go“-App, die in den App-Stores downloadbar ist.

https://www.nada.de/home

Ein Kommentar von Jannik Schaake

Natürlich ist klar, dass Marcel mit der Unterschrift der Anti-Doping-Vereinbarung, die ein jeder Sportler vor DPV-Großveranstaltungen unterschreiben musste, hätte wissen müssen, dass man sich als Athlet verpflichtet, jene Substanzen oder Medikamente, die auf der Doping Liste der NADA stehen, nicht einzunehmen. Aber sind wir mal ehrlich: Wer fragt sich bei einem Arzt Besuch, ob das verschriebene Medikament des Arztes auf der Doping-Liste der NADA steht? Es gibt sicherlich viele Spielerinnen und Spieler, die das tun und ich möchte mit diesem Kommentar unter anderem für diesen Umstand sensibilisieren, doch es gibt wohl auch viele, die sich das sicherlich nicht fragen und ich möchte auch auf große Diskrepanzen aufmerksam machen, die nach wie vor in unserem Sport herrschen.

Es ist verrückt, wenn man sich vor Augen hält, dass ein Spieler für 8 Monate gesperrt werden kann, weil er ein medizinisch relevantes, vom Arzt verschriebenes, Medikament zu sich nimmt und gleichzeitig mit absoluter Selbstverständlichkeit toleriert wird, dass ein großer Teil der Spielerinnen und Spieler einer Deutschen Meisterschaft oder der Bundesliga alkoholisiert spielen darf – und wir wissen alle, dass Alkohol eines der einfachsten, wirksamsten und ein legales Dopingmittel in unserem Sport ist.

Alkohol ist übrigens seit dem 1. Januar 2018 nicht mehr unter den Dopingmitteln der NADA, da es die „körperliche Leistungsfähigkeit verschlechtert und daher dem Grundgedanken von Doping widerspricht“ (NADA). Verbände haben jedoch laut NADA eine „Eigenverantwortung“, was das Thema Alkohol betrifft und können bei überwiegend mentalen Sportarten, wie beispielsweise beim Darts, ein Alkoholverbot aussprechen und Überprüfungen eigenverantwortlich durchführen.

Es gibt keinen Deutschen Pétanque-Spieler, der mit dieser Sportart Geld verdient oder zu den Olympischen Spielen fährt. In der Regel zahlen wir alle im Jahr mehrere Tausend Euro, um unsere (Rand-)Sportart ausüben zu dürfen. Es ist nun vor allem für Marcel Bomsdorf ein Dilemma, dass er mit einem Medikament, das ihm offensichtlich keinen Vorteil verschafft, gesperrt wird wenngleich viele andere Boulespieler sich aktiv öffentlich – auch bei DPV-Veranstaltungen – dopen und das auf legalem Wege. Hier muss sich dringend etwas ändern! Ich kenne Marcel Bomsdorf nun schon einige Jahre, habe bereits häufig gegen ihn gespielt und sehe ihn als professionellen und fairen Sportsmann an, der sehr gutes Pétanque spielt. Bis vor kurzem engagierte er sich sogar über mehrere Jahre als Vizepräsident Leistungssport im Landesverband Hessen. Als ich von dieser Strafe erfahren habe und mir die Hintergründe erklärt wurden, war ich fassungslos. Für mich steht außer Frage, dass Marcel das Medikament nicht zu sich nahm, um bessere Leistungen in unserem „Sport?“ zu erlangen, geschweige denn sich durch die Einnahme des Medikaments einen Vorteil verschafft hat. Und ist nicht genau dies das Ziel eines solchen Dopingtests?