Das weltweit größte Turnier mit 3744 angemeldeten Tripletten fand am späten Mittwoch Abend einen würdigen Sieger. Für Antoine „Vigo“ Dubois (Bild: Mitte), der bereits 2013 den Titel aus 2012 in Marseille verteidigen konnte, ist es bereits der 6. Erfolg in Marseille. Damit zieht Dubois mit Marco Foyot gleich, der ebenfalls sechs Siege aufweisen kann. Für Joseph „Tyson“ Molinas (Bild: links) nach 2018 bereits der 2. Titel. Nur für David „Ligan“ Doerr (Bild: rechts), der auch bereits Espoir-Europameister mit Molinas wurde, ist es der erste Erfolg in Marseille – aber ein redlich verdienter. Kaum eine Fehlkugel über vier Tage und zwölf Partien als Milieu.

Buh-Rufe und Pfiffe im Halbfinale

Dem zweitplatzierten Team um Aimé Courtois, Emmanuel Viola und Laurent N’Guyen Van, den Lokalmatadoren, gelang auch im zweiten Finale kein Sieg bei der Marseillaise, auch wenn sie das Publikum voll im Rücken hatten, was vor allem Cedric Salvini im Halbfinale bei zwei Schuss für Schluss zu spüren bekam. Nachdem beim Stande von 12:11 für das Team um Courtois, diese erst mit der 6. Kugel den Gegner zum Spielen zwangen, eigentlich schon aufgegeben hatten und Kevin Lellouche mit der zweiten Kugel treffen konnte, hatte Equipe Salvini 3 Matchbälle und ca. 1m Platz um 13 zu legen. Nachdem jedoch der Leger den ersten Matchball nicht nur vergab, sondern auch noch die 13 von Aimé Curtois reindrückte, war im Publikum kein Halten mehr. Normalerweise auf diesem hohen Niveau noch kein Grund einen Funken Hoffnung zu sehen, da Salvini aus der Mitte eigentlich sicher war, doch das Publikum begann zu Pfeiffen und zu Buhen. Kaum eine unangenehmere Situation hätte man sich für Salvini vorstellen können und auch kein Schiedsrichter Schritt ein oder sorgte für Ruhe. Man hatte das Gefühl, dass es Salvini schnell hinter sich bekommen wollte und schoss in Mitten der Buhrufe und Pfiffe sein Doppelloch. Das Aus nach einer sicher gewonnen geglaubten Aufnahme. Zwar entschuldigte sich Aimé Curtois im anschließenden Interview noch für das Publikum, aber es schien ihm sichtlich egal zu sein.

Die Schattenseiten der Marseillaise

In jedem Jahr pilgern auch einige Deutsche Petanque-Fans ins Mutterland unseres Sports, um das Spektakel, man kann es nicht anders nennen, live mitzuerleben. Gutes Niveau, tolle Spiele und Unmengen an ähnlich verrückten Menschen. Doch die Marseillaise ist wahrlich kein „Zuckerschlecken“. Nicht nur gute Nerven, sondern auch Freunde, am besten aus Marseille, sollte man zu diesem Event mitbringen, vorausgesetzt man möchte weit kommen. Wer die „Trauben“ im Parc Borely bereits gesehen hat, weiß, dass man hier Nerven aus Stahl haben muss wenn beim Schuss mal wieder der Freund des Cousins des Gegners „ausversehen“ in der Verlängerung aufspringt oder anderweitig versucht abzulenken. Es gehört also auch ein gewisses Maß an Glück dazu, nicht auf die „falschen“ Gegner zu treffen, die einem den Trip besonders unangenehm machen. Aus diesem Grund spielte beispielsweise auch kein geringerer als Philippe Quintais für über fünf Jahre nicht mehr bei der Marseillaise mit und auch andere Top-Spieler Frankreichs mieden die Marseillaise immer mehr in den vergangenen Jahren (auch bereits vor Corona).

Nichtsdestotrotz bleibt die Marseillaise ein Hingucker und vor allem auch „Zugucker“, denn kein Turnier der Welt wird so professionell übertragen wie die Marseillaise. France 3 zeigte frei zugänglich für alle über vier Tage ausgewählte Partien im Netz und live vor den französischen TVs. Tolle Aufnahmen, spektakuläre Zeitlupen und vor allem Bilder in HD. Davon träumt die Boulewelt sonst nur.

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